Warum wir weniger zocken und mehr spielen sollten…

Vor ein paar Tagen hatte ich eine interessante Unterhaltung im Broadcast for Reps Channel. Die Geschichte war speziell und wir haben uns zu zweit ein paar Gedanken gemacht, wie wichtig es ist, dass wir als EVE Online Spieler zwischen “Zocken” und “Spielen” klar unterscheiden…

Heute gibt es mal wieder einen längeren Text. Wer das nicht mag kann sich ja gerne auf der rechten Seite unter “Weiterlesen” am Buffet bedienen.
Nun aber zum eigentlich Thema. Vor einigen Tagen schrieb mich ein Spieler über Broadcast for Reps an. Er hatte einen ziemlich Durchhänger und weil ich ohnehin gerade nur ein Faction Warfare Beacon umkreiste signalisierte ich ihm, dass ich Zeit habe um zuzuhören.
Er begann mir zu erzählen und seine Geschichte war…speziell. Mit freundlicher Genehmigung darf ich hier davon schreiben und ein wenig darüber reflektieren.

Aber zuerst ein kurzes Spotlight:
Der Spieler ist Mitte Dreißig, lebt als Single alleine einer mittleren Großstadt in Deutschland und hat neben seinem ganz normalen 9-5 Job noch einen 450€ Job bei dem er am Abend oder am Wochenende noch ein paar zusätzliche Stunden macht. Ach, dachte ich mir. Da kann ich mitreden!
Sein Problem war, dass sich jeder seiner Tage gleich anfühlte und er einfach nicht mehr aus diesem Hamsterrad hinauskam:
Morgens um halb 7 aus dem Bett, Frühstücken, News lesen und dann zur Arbeit. Am Abend um 17:30Uhr ist er dann wieder daheim, kocht irgend etwas schnelles. Dann fährt er weiter zu seinem zweiten Job, wo er noch ein paar Stunden arbeitet. Gegen 20:30 ist er wieder Zuhause. Nach einer Dusche, geht es vor den Rechner. Er loggt sich ein, zockt bis ca. 23 Uhr und geht dann ins Bett, um nächsten Morgen um 6:30 Uhr aufzustehen. So sieht mit leichten Variationen jeder seiner Wochentage aus.
Und am Wochenende? Genau so. Morgens steht er um 6:30Uhr auf, um nicht aus dem Rhythmus zu kommen. Dann macht er seine Wohnung sauber, ist für ein paar Stunden bei seinem Nebenjob, geht noch einkaufen und setzt sich dann vor den Rechner um zu zocken. Am Abend schaut er vielleicht noch einen Film, manchmal macht er das auch gleichzeitig beim Zocken. Am Sonntag eventuell noch ein Tatort, dann geht er zeitig ins Bett, um am Montagmorgen um 6:30 aufzustehen.

“Joa…das hast Du Recht. Da musst Du was ändern, damit es anders wird.”

Ja, aber was? Wir haben einmal die Situation ein wenig analysiert. Natürlich kann er weder seinen Job aufgeben, noch irgendwas anderes, das für seinen Lebensunterhalt wichtig ist. Eine Reduktion der Arbeitszeit kommt für ihn nicht in Frage. Also haben wir versucht die Sache von der anderen Seite anzugehen. Angenommen, er wäre zufrieden mit seinem Leben, an welche Stelle tankt er Kraft und Energie? An welcher Stelle hätte er Freude und Spaß und wäre nicht in Gedanken bei irgendwelche Alltagsdingen. Was wäre seine “Quality-Time”?
Das Zocken mache ihm Spaß. Hauptsächlich spielt er EVE Online und dort fliegt er Missionen und Abyss-Sites. Ein ganz normaler EVE Spieler also, aber das sei eine Sache, die ihm Spaß macht. Für ihn ist das Gaming ein Hobby. Als er er mir davon berichtet blüht er auf. Sein Schiff ist optimiert für Dark Abyss, seine Mission-Running Schiff ist perfekt getrimmt für Aufträge gegen Sansha’s Nation und für jede verfügbare Burner Mission hat er ein entsprechendes Schiff an der Hand. Er zeigt mir Screenshots von seiner Vargur, die mit Chainbreaker Skin wirklich ziemlich cool aussieht.
Er ist stolz auf das Schiff und seinen Spielstil, der es ihm ermöglicht EVE Online nur mit PLEX zu finanzieren. Die nötigen ISK dafür hat er nach ca. 3 Wochen entspannten Zockens drin, ein bisschen schneller geht es, wenn mal ein Faction Modul oder Implantat droppt. Doch vor ein paar Tagen hatte er einen Gedanken, der ihn nicht mehr losließ.

“Für was mache ich das eigentlich?”

Zugegeben, hier muss man auch noch an ganz anderer Stelle ansetzen um das Ganze wieder ein wenig in geregelte Bahnen zu lenken. Das ist ja schon eine Frage nach dem Sinn des Lebens…
Immerhin hat er schon selber mal Hilfe gesucht und weiß, dass das Leben, das er führt Grund für seine aktuelles Tief sein könnte. Immerhin hat er jetzt die Erkenntnis, dass er die Richtung verloren hat und herumtreibt.
Sind wir mal ehrlich – solche Tage oder auch Wochen hat jeder von uns manchmal. Dann hangelt man sich mit Minimalaufwand durch die Tage, arbeitet sein “Pflichtprogramm” ab und reagiert mehr als sein Leben selbst zu gestalten.
Irgendwann fängt man sich dann aber wieder oder variiert zumindest mit anderen Aktivitäten am Abend, so dass man nicht ständig das Gleiche macht. Und das ist vielleicht auch der Schlüssel zum Problem.
Nein, es ist nicht einfach mal etwas anderes zu machen, sein Leben umzustellen, sich Zeit zu nehmen für andere Dinge. Es ist definitiv Arbeit, sich aus dem üblichen Trott zu lösen und für sich ganz persönlich zu definieren, für was man eigentlich etwas macht – oder für wen.

“Wo soll ich denn anfangen?”

Ein wichtiger Baustein ist hier der tägliche Grind, mit dem er die wertvolle Zeit füllt, in der er Zuhause ist. Ja, das macht ihm Spaß, wenn es mal einen guten Drop gibt fühlt er sich belohnt und seine ISK auf dem Konto sind zusätzliche Bestätigung. Aber hier kommt der Knackpunkt: Von seinen Erlebnissen erzählt hat er mir nicht. Nichts von einem knappen Entkommen aus dem Abyss, nichts vom Abschluss einer Lady Scarlett in 5 Minuten oder ähnliches. Er hat sich immer nur auf die Statussymbole bezogen, die er erreicht hat.
Interessanterweise ist ihm das auch aufgefallen.
Das nenne ich “Zocken” – ein Wort, das so ein bisschen nach ZOmbie und trOCKEN klingt. Accept, Run, Deliver – immer das gleiche Schema. Verbissen in das immer gleiche Muster und weil man sich in dem Moment nichts anderes vorstellen kann, tut man es genau so.
Spielen hingegen, darauf haben wir uns geeinigt, ist ein Zustand, in dem “selbstvergessen” einer Beschäftigung nachgeht an der man aktiv teilnimmt. Und Entwicklung. Spielen ist immer mit irgendeiner Entwicklung verbunden.
Ein schönes Beispiel habe ich vor einigen Jahren bei unseren Katzen beobachtet. Als die beiden noch jung waren unterschieden sie sich in ganz besonderer Weise. Während der eine der beiden Kater, hinter Blättern, Nüssen und Steinen herjagte und sie gnadenlos erlegte, hatte der andere Kater sein ganz eigenen Methoden um “die Beute” zu erlegen. Er schaffte es immer wieder die Objekte nicht nur durch die Gegend zu kicken, sondern auch hochzuheben und nach oben zu werfen. Das war ein schönes Beispiel für mich, wie “Spielen” wirklich aussehen kann und wie es sich vom “normalen” Zocken unterscheidet. Zweifellos sind beide im Laufe der Zeit zu guten Mäusefängern geworden.
Zurück zu unserem EVE Spieler. Natürlich muss er nicht seinen Spielstil ändern, wenn er nichts vermeintlich Gefährliches machen will. Aber in Zukunft will er weniger zocken und mehr spielen, mehr erforschen, neue Sachen ausprobieren und vielleicht an dem einen oder anderen Abend den Rechner auch mal auslassen. Niemand muss anfangen zu stricken oder unter Leute gehen, wenn man nicht will, aber es hilft sehr, wenn man sich von alten Mustern löst und von Zeit zu Zeit mal den Kopf aus seinem Turm steckt.

Regelmäßig schreibe ich ein bisschen über EVE Philosophie – manchmal wandern meine Gedanken und Ideen ein wenig zu weit vom Schuss. Dann wird es Zeit, dass Ihr sie in den Kommentaren einfangt! Was denkt ihr zu diesem “Fall”? Spielt ihr EVE oder zockt ihr EVE? Wie sehen eure Tage aus, wie sammelt ihr Kraft, was motiviert Euch? Damit ihr motiviert genug seid einen Kommentar zu schreiben gibt es natürlich wieder coole Scopy Syndication Skins abzustauben!

Fly safe
Jezaja

11 Gedanken zu „Warum wir weniger zocken und mehr spielen sollten…“

  1. Wow, … zunächst: Broadcast for Reps ist eine super Sache, vielen Dank, dass du da mitmachst.

    Bezogen auf EVE hatte ich in den letzen rund zehn Jahren auch schon meine Durchhänger, obwohl ich nicht auf der Jagd nach PLEX bin. Ich hatte Lust mich einzuloggen und etwas zu machen. Dann war ich ein geloggt und wusste nichts zu tun: keine Lust auf nichts – ich bin nicht mal abgedockt. Meist habe ich dann eine Zeit Pause gemacht, ein paar Tage oder auch Wochen. Im Anschluss hatte ich dann eine Idee, was ich in EVE verändern wollte. Nach der Veränderung ist es eigentlich immer besser geworden. Ein großer Pluspunkt war für mich dabei die Community. Ich hatte immer Corps, die auf der persönlichen Ebene mein Verhalten gut auffangen könnten, die meine Veränderungswünsche unterstützt, toleriert oder mitgetragen haben. Vielleicht ist das auch ein großer Unterschied zwischen EVE und anderen klassischen “Zocker-Spielen”, man kann in EVE ganz gut auf das Zocken verzichten, wenn man möchte. Ich versuche also möglichst viel EVE zu spielen.
    Ähnlich mache ich es außerhalb von EVE. Meinen Beruf oder die Anstellung kann ich nicht so leicht wechseln. Ich versuche aber mir innerhalb meines Berufes immer mal wieder einen neuen Schwerpunkt zu suchen. Ich besuche Fortbildungen, um mich auf andere Ideen bringen zu lassen oder übernehme zeitweise organisatorische Aufgaben. Die Rückmeldungen, die ich dann bekomme, ermutigen mich immer wieder so kleine Veränderungen zu machen.
    Nach rund zwanzig Berufsjahren hatte ich jetzt die Gelegenheit ein Sabbatical einzulegen. Statt der großen Weltreise (danke Corona) habe ich praktisch ein Jahr den Familien-Papa in Vollzeit gemacht (war super ^^) und mit meiner Frau zusammen ein Buch geschrieben (ist noch nicht ganz fertig 😉 ).
    Der Kern ist, denke ich, im täglichen Ablauf – auch wenn er stark strukturiert ist – immer mal wieder Veränderungen zu machen. Etwas neues ausprobieren, es muss ja nicht gleich ein festes Hobby werden. Etwas altes, gewohntes mal pausieren oder wenigstens anders machen. Manchmal kann man auch im Beruf etwas verändern, es muss ja nicht gleich ein kompletter Wechsel sein. Manchmal reicht es vielleicht, wenn man einmal im Monat einen Kuchen mit ins Büro bringt. Hauptsache es tut sich etwas, ein kleines bisschen.

    Fly safe
    Rhas

    P.S.: Eine kleine Veränderung, die ich nach meinem letzten EVE-Durchhänger für mich beschlossen hatte, war übrigends, nicht nur Blogs zu lesen und mir meinen Kommentar zu denken. Ich habe mir vorgenommen bei gelesenen Blogs auch meinen Kommentar zu schreiben.

    1. Ich freue mich immer sehr über deine Kommentare 🙂
      Ein Sabbatical ist bestimmt eine interessante Zeit. Worüber hast Du denn ein Buch geschrieben?

      1. Wir schreiben ein Arbeitsbuch mit Spiel- und Lesevorschlägen für Kinder mit Verzögerungen bei der sprachlichen Entwicklung. Also eher ein Sachbuch.😉

  2. Sehr sehr guter Beitrag mit klaren Gedanken zu einem sehr wichtigen thema👍
    obwohl ich es schon einmal gesagt habe… du machst das Klasse Jezaja😉

  3. Ich bin die Person mit der Du geredet hast. Danke, dass du es hier nochmal aufgeschrieben hast.
    Ich muss mich da echt am Riemen reißen und nicht hängen lassen, aber das ist so schwierig. Ich habe mir jetzt einen Wochenplan gemacht.

  4. Hallo.Ich bin zufällig auf dein Forum und diesen Beitrag gestoßen. Mir geht es ähnlich wie dem beschriebenen Kollegen. Ich bin eine “Veteran” und spiele seit Mai 2005 durchgehend. Nur mit einem entscheidenden Unterschied.>>Ich war fast immer in Spieler-Corps. Denn die Community ist in EvE das Entscheidende. Kein anderes MMO hat eine solche Comm. Wenn man EvE alleine Spielt dann Zockt oder Daddelt man. Aber in der richtigen Corp wird es zum “Secound Life” und macht mehr Spaß. Natürlich soll man es nicht übertreiben. Denn es gibt ein Leben außerhalb der Daddel-Bude. Fly Save.

      1. Danke aber ich brauch ihn nicht. Wir fliegen Ravens eigentlich nur wenn wir mal nen KS klatschen. Kommt nicht mehr oft vor hehe. Gib ihn an nen Neuen Spieler bitte der hat Freude damit. Fly Save Bro.

  5. For me the game is about learning and experiencing this vast universe and learning to be more adaptable to new situations. You can always be a better pilot and just like any hobby there is a rewarding feeling from excellence.

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