Lesetipp: Die drei Sonnen (Trisolaris 1) – Cixin Liu

Kurz bevor wir in die eigentlich Rezension einsteigen muss ich noch loswerden, dass ich sehr naiv an das Buch herangegangen bin und mir nirgends eine Rezension durchgelesen oder irgendwie anders auf “das was da kommt” vorbereitet habe. Aus diesem Grund habe ich gleich am Anfang zwei Tipps für Euch: 1. Chinesische Literatur ist ganz anders als unsere westliche. Probiert sie trotzdem aus! 2. Wenn man keine Ahnung hat, hilft es sich 10 Minuten Zeit zu nehmen und kurz bei Wikipedia nachzuschlagen warum die Chinesen zwischen 1966 und 1976 revolutioniert haben. Ich versuche mit so wenigen Spoilern wie möglich auszukommen, aber an einigen Stellen lässt es sich leider nicht vermeiden. Ich habe an besagten Stellen deshalb etwas umständlich und kryptisch ausgedrückt.

Der Inhalt

Ende der 1960er Jahre tobt in China die große Kulturrevolution. Die „reaktionären Wissenschaften“ sind von nun an feindliche Kräfte, die das revolutionäre Proletariat ausbeuten. In einem verblendeten Kreuzzug werden Intellektuelle verfolgt, Wissenschaftler in den Selbstmord getrieben und eines der größten Länder der Welt von Grund auf umgekrempelt. So widerfährt es auch Ye Wenjie und ihrer Familie. Ihr Vater, ein angesehener Professor an der Universität wird wegen seiner Forschungen angefeindet, vor ein Gericht gestellt und getötet. Ye Wenjie selbst kommt in ein Umerziehungslager und ist dort mit der Abforstung der mongolischen Wälder beschäftigt. Dort ist ihr Schicksal scheinbar besiegelt, als das Politbüro ihr eine Falle stellt. Ein Freund der Familie kann sie im letzten Moment retten und so wird sie in eine ungewöhnliche Strafkolonie mitten in der Wildnis versetzt. Hier soll sie auf einem Horchpostens den Himmel nach außerirdischen Signalen absuchen. Das gelingt ihr und setzt mit ihrem Erstkontakt zur Zivilisation der Trisolari eine Verkettung zahlreicher Ereignisse in Gang, die gewaltige Mächte auf den Plan rufen.

[ACHTUNG! AB HIER WIRD leicht GESPOILERT]

[caption id="attachment_2893" align="alignleft" width="1280"] Der Orbit von HD131399ab im System HD 131399 (red line) und die Orbits der  3 Sterne. (c) eso.org[/caption]

Meine Meinung

Bisher habe ich nur ein Buch eines Chinesen gelesen (Der Zorn der Wölfe) und ich würde jetzt glatt lügen, wenn ich behaupten würde, dass es irgendwie ähnlich war. Aber trotzdem haben die Chinesen eine interessante Erzählweise. So sind die Protagonisten in „Die drei Sonnen“ jeweils auch Vertreter der unterschiedlichen Bevölkerungsschichten, die auch heute noch immer unter den Wunden der Kulturrevolution zu leiden haben. Die Abneigung gegenüber der Wissenschaft sitzt tief in der Gesellschaft und ja, ein bisschen kann man die „normalen“ Leute verstehen, denen Nano-Technologie und die theoretische Grundlagenforschung der Atomphysik einfach nur gruselig sind. Ich habe etwas länger gebraucht um herauszufinden, dass der kettenrauchende Kommissar kein Arschloch, sondern eigentlich ein ganz feiner Kerl ist. Und so ist „Die drei Sonnen“ auch ein bisschen Gesellschaftskritik und vor allem auch Kritik an der Rolle des einzelnen Individuums, das aus purem Egoismus und aus stumpfen Rachegefühlen handelt. Auch die „gute“ Fraktion derjenigen, die auf eine fruchtbare Zusammenarbeit mit der anrückenden Invasionsflotte hoffen, setzt ihre Ziele ohne Kompromisse und mit rücksichtsloser Absolutheit um. Die Erkenntnis trifft den Leser ziemlich am Schluss des Buches und haut deshalb umso härter rein. Die eigentliche Invasion der Trisolari finde (noch) nicht statt, aber die Saat ist gelegt und ich bin gespannt, was die beiden folgenden Bücher beinhalten. Mein einziger Kritikpunkt ist, dass der Roman an sich eigentlich nicht das Label „Sci-Fi“ sondern eher „Fantasy“ verdient. Viele der „wissenschaftlichen“ Fakten sind nur oberflächlich dargestellt und wo reguläres Sci-Fi vielleicht wirklich ein uns unbekanntes Phänomen mit einer physikalischen Theorie zu erklären versucht hätte, schafft Cixin Liu dies nur mit einer (meiner Meinung nach) klamaukigen „ach übrigens“ Wendung, die auch aus einem kurzweiligen Physik-Buch von Prof. Metin Tolan stammen könnten. (Geheim-Tipp: Falls Ihr jemals an die Uni Dortmund kommt, solltet Ihr dort unbedingt eine seiner Physik-Vorlesungen besuchen!)

Warum ihr das Buch lesen solltet

Dies ist ein EVE Online Blog und natürlich müssen wir einfach den Vergleich zu den Triglavians ziehen. Sowohl die Triglavian als auch die Trisolari haben einen nicht unerheblichen Bezug zur Drei. Auch ihr Ansatz ist vergleichbar. Während die Triglavian darum bemüht sind die Fähigkeiten und Motivation der ihnen unbekannten „Narodja“ (Rasse/Capsuleers/Menschen) zu erkunden, sind sich auch die Trisolari darüber bewußt, dass die Terraner in erster Linie eine Gefahr für die eigene Zivilisation darstellen. Und umgekehrt. So wie sich die Menschen auf die Ankunft der Trisolari vorbereiten, gibt es auch bei den Bewohnern von New Eden „Adventisten“ und Konservative, die die Neulinge mit Antimaterie oder offenen Armen empfangen um … ja was eigentlich? Der fiese Story-Twist in „Die drei Sonnen“ kommt erst relativ spät heraus. Last but not least: Im Buch werden den Wissenschaftlern (und dem Leser) die Trisolari-Zivilisation mithilfe eines Computer-Spiels nahe gebracht. Nur die besten dürfen es spielen, nur die allerbesten kommen in das nächste Level. Die Lernkurve ist – wie in EVE – ziemlich dramatisch. So dramatisch, das regelmäßig eine komplette Zivilisation ausgelöscht wird. In echt. Die drei Sonnen ist der erste Teil einer kompletten Trilogie.

Welche Bücher lest ihr zur Zeit? Lest ihr überhaupt? Wen ja was und vor allem wie? Ist es Euch wichtig Papier in der Hand zu haben, oder reicht Euch eine PDF bzw. Ebook auf dem Tablet?

Fly safe Jezaja Zum Weiterlesen: HD131399Ab – Ein Exo-Planet mit 3 Sonnen
(c) Alle Bilder: https://www.eso.org  ]]>

Ein Gedanke zu „Lesetipp: Die drei Sonnen (Trisolaris 1) – Cixin Liu“

  1. Ich bin ja absoluter Sci-Fi Fan, was Bücher und Filme angeht. Sehr gerne lese ich auf meinem Kindle und es vergeht kaum ein Tag, an dem ich nicht mindestens ein Kapitel lese.
    An chinesische Literatur habe ich mich jedoch noch nicht getraut. Nach Deinem Beitrag werde ich jedoch mal drüber nachdenken.
    Kürzlich habe ich den 6-Teiler Solarian von Thariot abgeschlossen und war total begeistert.
    Danach habe ich Das schwarze Schiff von Phillip P. Peterson gelesen, welches mich absolut in seinen Bann gezogen hat… Konnte kaum mehr aufhören zu lesen.
    Jetzt aktuell stecke ich in Band 1 der Armageddon Reihe von Peter F. Hamilton. Dazu kann ich aber wenig sagen, außer, dass es etwas anspruchsvoller und gewaltiger ist.

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